Samstag, 25. April 2015

Kultur und Eisberg


Wir sind jeden Tag von Kultur umgeben. Alles, was wir tun, hat mit Kultur zu tun. Dabei ist Kultur nicht nur Kunst im engeren Sinn. Sie umfasst, wie unser Leben in all seinen Bereichen gestaltet ist. Auf der einen Seite gibt es Konzerthallen oder Museen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch:  Baukultur, Erinnerungskultur, Esskultur, Popkultur oder sogar Streitkultur.

Was bedeutet das für uns als kulturelle Akteure? Wir stehen niemals nur für uns allein. Wir repräsentieren ein vielfältiges Feld. Die Kulturinstitutionen sind nur die Spitze des Eisberges. Darunter liegen unsere Geschichte und unsere Gegenwart. Da liegt, wie wir miteinander umgehen wollen. Da liegt, was unser Leben ausmachen soll. Kultur ist nicht nur ein Teil unserer Arbeit. Es steckt mehr dahinter. Dieser zweite Bereich der Kultur, das Eis unter der Wasseroberfläche, hat auch Auswirkungen auf den ersten. Was man im klassischen Sinn unter Kultur versteht, sei es das Theater oder die Galerie, ist Teil des Alltags. Und umgekehrt. In Zeiten knapper Kassen geht es häufig um Fragen der Aufmerksamkeit, um die Bedeutug von Kunst und Kultur, ihre Existenzberechtigung. Darauf kann man mit Kulturbranding antworten oder mit der Besinung auf Altbewährtes. Aber vielleicht sollte man noch etwas ganz anderes betonen: Kultur gehört überall dazu. Sie prägt unser Bild von uns selbst. Daher: Wenn wir an unsere Arbeit in der Kultur denken, sollten wir an Vielfalt denken. Denn es bedeutet, wir arbeiten immer interkulturell und interdisziplinär. Wir arbeiten übergreifend und integrierend. Wir arbeiten im Großen und im Kleinen. Egal, ob wir mit der Grundschule in unserem Dorf, einem soziokulturellen Zentrum oder einer internationalen Gruppe von Graffiti-Artists zu tun haben. Egal ob wir spazieren gehen oder tanzen. Kultur schließt vieles ein. Wir müssen es uns nur ab und zu wieder bewusst machen. Und uns Offenheit, Freude und Interesse für die verschiedenen Spielformen der Kultur bewahren.